KI nutzen für · Arztpraxis · 26.09.2026
KI nutzen für
KI in der Arztpraxis

KI in der Arztpraxis:Entlastung am Empfang,nicht im Sprechzimmer

Das Telefon klingelt, die Anmeldung ist voll, und nach der Sprechstunde wartet die Schreibarbeit. Hier lesen Sie, wie Praxen KI für Telefon, Terminvergabe, Dokumentation und Verwaltung einsetzen, welche Grenzen gelten und was Schweigepflicht und Datenschutz verlangen.

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Nikolai Schöbel und Jeremias Burger, Co-Founder Scalableloops

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KI nutzen für · Arztpraxis

KI in der Arztpraxis entlastet vor allem die Organisation: Telefonassistenten nehmen Anrufe an und vergeben Termine, KI-Chats entwerfen Praxistexte und Mails, und Diktate lassen sich schneller in geordnete Dokumentation überführen. Medizinische Entscheidungen bleiben bei Ärztinnen und Ärzten. Weil Praxen mit Gesundheitsdaten arbeiten, gelten dabei besondere Regeln: die Schweigepflicht nach § 203 StGB und Artikel 9 DSGVO.

In Kürze
  • KI hilft in der Praxis bei Telefon, Terminvergabe, Dokumentation und Verwaltungstexten, nicht bei medizinischen Entscheidungen.
  • Gesundheitsdaten zählen nach Artikel 9 DSGVO zu den besonders geschützten Daten, Patientengeheimnisse fallen unter § 203 StGB.
  • Patientendaten gehören nie in private KI-Konten; Anbieter brauchen Vertrag und Verpflichtung zur Geheimhaltung.
  • Ein Telefonassistent muss Anrufern seit dem 2. August 2026 zu erkennen geben, dass sie mit einer KI sprechen, sofern das nicht offensichtlich ist.
Veröffentlicht 26.09.2026Nikolai Schöbel und Jeremias BurgerLesezeit 9 min
Nikolai SchöbelJeremias Burger

Nikolai Schöbel und Jeremias Burger

Co-Founder der Scalableloops GmbH. Nikolai Schöbel verantwortet Online-Marketing und KI-Strategie, Jeremias Burger die KI-Architektur. Beide bauen und schulen KI-Systeme im eigenen Agenturalltag.

Auf dieser Seite
  1. Wofür lohnt sich KI in der Arztpraxis?
  2. Wie entlastet ein KI-Telefonassistent die Anmeldung?
  3. Wie hilft KI bei der Terminvergabe?
  4. Wie unterstützt KI die Dokumentation, ohne Verantwortung abzugeben?
  5. Welche Verwaltungsaufgaben lassen sich mit KI vorbereiten?
  6. Was bedeuten Schweigepflicht und DSGVO für KI in der Praxis?
  7. Welche Fehler sollten Praxen beim Einstieg vermeiden?
  8. Was verlangt die KI-Verordnung von Praxisinhabern?
  9. Häufige Fragen
  10. So starten Sie mit KI in Ihrer Praxis
  11. Woher die Angaben auf dieser Seite stammen
Einordnung

Wofür lohnt sich KI in der Arztpraxis?

In diesem Beitrag geht es ausschließlich um Organisation und Verwaltung: Telefon, Terminvergabe, Dokumentation und Schreibarbeit. Software, die bei medizinischen Fragen unterstützt, folgt eigenen Regeln und ist hier bewusst ausgeklammert.

Angekommen ist KI in den Praxen bereits. In einer Umfrage von Bitkom und Hartmannbund unter mehr als 600 Ärztinnen und Ärzten, veröffentlicht im Mai 2025, gaben 15 Prozent der Praxen an, KI in mindestens einem Bereich einzusetzen. 8 Prozent nutzen sie für die Praxisverwaltung, um Abläufe zu vereinfachen.

Die Übersicht zeigt, wo KI in der Organisation helfen kann und wo die Verantwortung bleibt.

AufgabeWas die KI übernimmtWas beim Praxisteam bleibt
TelefonAnrufe annehmen, Terminwünsche aufnehmen, Anliegen erfassenRückrufe, dringende Fälle, alles Medizinische
TerminvergabeTermine buchen, verschieben, absagen, Erinnerungen formulierenSprechstundenplanung, Ausnahmen, Dringlichkeit
DokumentationDiktate verschriftlichen, Notizen gliedern, Entwürfe vorbereitenInhalt, Prüfung, Unterschrift
PraxistexteAushänge, Website-Texte, Patienteninformationen zu Abläufen entwerfenFachliche Richtigkeit und Freigabe
VerwaltungMails an Lieferanten, Stellenanzeigen, Checklisten fürs Team formulierenEntscheidungen, Verträge, Personalfragen
Telefon

Wie entlastet ein KI-Telefonassistent die Anmeldung?

Das Telefon ist in vielen Praxen der größte Störfaktor am Empfang. Ein KI-Telefonassistent nimmt Anrufe entgegen, versteht das Anliegen in normaler Sprache und erledigt Standardfälle selbst. Anbieter wie Doctolib beschreiben ihren Assistenten so: Er nimmt Anrufe an, bucht, verschiebt oder sagt Termine ab und nimmt Anliegen wie Rezept- oder Überweisungswünsche für das Team auf.

Für die Einführung sind drei Fragen entscheidend. Erstens: Was darf der Assistent selbst erledigen, und was geht immer an einen Menschen? Alles, was nach einem Notfall klingt oder medizinische Einschätzung verlangt, gehört nicht in die Hand der KI, sondern wird sofort weitergeleitet oder mit einem klaren Hinweis auf den Notruf beantwortet. Zweitens: Wie kommt eine Nachricht beim Team an, und wer bearbeitet sie bis wann? Drittens: Welche Daten fragt der Assistent ab, und wo werden sie gespeichert?

Hinzu kommt eine gesetzliche Pflicht. Seit dem 2. August 2026 gilt Artikel 50 der KI-Verordnung: Wer mit einem KI-System direkt interagiert, muss darüber informiert werden, sofern das nicht offensichtlich ist. Für die Praxis heißt das: Der Assistent sagt zu Beginn des Gesprächs, dass hier eine KI spricht. Mehr dazu im Beitrag zur KI-Kennzeichnungspflicht für Chatbots. Viele Grundsätze aus dem Kundenservice anderer Branchen gelten auch hier, siehe KI nutzen für den Kundenservice.

Termine

Wie hilft KI bei der Terminvergabe?

Bei der Terminvergabe arbeitet KI am besten mit festen Regeln, die Sie vorgeben: welche Terminarten es gibt, wie lange sie dauern, wer sie buchen darf und welche Zeiten für Akutfälle frei bleiben. Ohne diese Regeln rät das System, und ein falsch vergebener Termin kostet am Ende mehr Zeit als ein Anruf.

Auch ohne Telefonassistenten spart KI hier Zeit, nämlich bei den Texten rund um den Termin. Ein KI-Chat entwirft Erinnerungen, Hinweise zur Vorbereitung oder Informationen bei Praxisschließung. Eine Anweisung, ganz ohne Patientendaten: „Schreibe eine kurze, freundliche Terminerinnerung für eine Hausarztpraxis. Sie-Form, höchstens drei Sätze, mit Bitte um Absage bei Verhinderung. Platzhalter für Datum und Uhrzeit in eckigen Klammern.“

Die Vorlage übernehmen Sie in Ihr Praxisverwaltungssystem oder Ihren Terminkalender. Daten und Uhrzeiten setzt das System ein, nicht die KI. Prüfen Sie, ob Ihr Terminanbieter bereits Funktionen mitbringt, bevor Sie ein weiteres Werkzeug einführen.

Dokumentation

Wie unterstützt KI die Dokumentation, ohne Verantwortung abzugeben?

In der Dokumentation kann KI Schreibarbeit abnehmen: Diktate werden zu Text, lose Stichpunkte zu einer geordneten Gliederung, wiederkehrende Schreiben zu Entwürfen. Der medizinische Inhalt kommt dabei immer von der Ärztin oder dem Arzt, und jede Zeile wird vor der Ablage gelesen. Die KI ordnet und formuliert, sie ergänzt nichts.

Das gilt besonders für Formulierungen, die fachlich klingen. Sprachmodelle können überzeugend schreiben und trotzdem etwas hinzufügen, das nie gesagt wurde. Geben Sie deshalb eine klare Anweisung mit: „Übertrage dieses Diktat in einen gegliederten Text. Übernimm alle Angaben wörtlich, ergänze nichts, fasse nichts zusammen und markiere unverständliche Stellen mit UNKLAR.“

Entscheidend ist, wo diese Arbeit stattfindet. Diktate mit Patientenbezug gehören nicht in einen frei zugänglichen KI-Chat, sondern in ein System mit Vertrag, Geheimhaltungsverpflichtung und geklärtem Speicherort. Manche Praxen prüfen dafür Lösungen, die im eigenen Netz laufen; Vor- und Nachteile beschreiben wir im Beitrag zur lokalen KI. Für Teambesprechungen ohne Patientendaten finden Sie Hinweise unter KI nutzen für Besprechungsprotokolle.

Verwaltung

Welche Verwaltungsaufgaben lassen sich mit KI vorbereiten?

Viel Schreibarbeit in der Praxis hat gar keinen Patientenbezug und eignet sich deshalb gut für den Einstieg: Aushänge im Wartezimmer, Texte für die Website zu Sprechzeiten und Abläufen, Mails an Lieferanten, Checklisten für neue Kolleginnen, Stellenanzeigen für Medizinische Fachangestellte.

Mit einem KI-Chat wie ChatGPT, Claude oder Gemini entstehen daraus in Minuten erste Entwürfe. Beispiel: „Entwirf einen Aushang für das Wartezimmer: Die Praxis ist vom [Datum] bis [Datum] geschlossen, die Vertretung übernimmt [Praxis]. Sachlich, freundlich, gut lesbar aus zwei Metern Entfernung, höchstens fünf Zeilen.“ Die Platzhalter füllen Sie selbst.

Arbeitet Ihre Praxis mit Microsoft 365 oder Google Workspace, sind Microsoft Copilot beziehungsweise Gemini dort bereits eingebaut und können etwa lange Mailverläufe zusammenfassen. Hinweise zu Stellenanzeigen und Bewerbungen finden Sie im Beitrag KI nutzen für das Personalwesen.

Schweigepflicht

Was bedeuten Schweigepflicht und DSGVO für KI in der Praxis?

Gesundheitsdaten gehören nach Artikel 9 DSGVO zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten. Ihre Verarbeitung ist grundsätzlich untersagt. Eine der Ausnahmen betrifft die Gesundheitsversorgung und Behandlung, verbunden mit der Bedingung, dass Fachpersonal die Daten verarbeitet, das einem Berufsgeheimnis unterliegt, oder Personen, die zur Geheimhaltung verpflichtet sind.

Hinzu kommt das Strafrecht. Nach § 203 StGB macht sich strafbar, wer als Arzt ein anvertrautes Geheimnis unbefugt offenbart. Das Gesetz erlaubt es, externe Dienstleister einzubinden, soweit das für deren Tätigkeit erforderlich ist. Die Praxis muss aber dafür sorgen, dass diese Dienstleister zur Geheimhaltung verpflichtet werden; unterbleibt das, kann sich die Praxis selbst strafbar machen.

Für KI-Werkzeuge bedeutet das in der Praxis: Patientendaten gehören nie in ein privates KI-Konto. Bei jedem Anbieter, der Patientendaten verarbeitet, brauchen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO und eine Verpflichtung zur Geheimhaltung. Klären Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten, ob beides vorliegt, wo die Daten gespeichert werden und ob eine Datenschutz-Folgenabschätzung nötig ist. Die Datenschutzkonferenz geht in ihrer Orientierungshilfe vom 6. Mai 2024 davon aus, dass eine solche Abschätzung beim Einsatz von KI vielfach erforderlich ist.

Fehler vermeiden

Welche Fehler sollten Praxen beim Einstieg vermeiden?

Die meisten Risiken entstehen im Alltag, nicht bei der Auswahl des Werkzeugs. Diese Punkte gehören in jede Praxisregel:

  1. 01

    01

    Patientendaten im Chat

    Namen, Geburtsdaten, Befunde oder Versichertendaten gehören nicht in einen KI-Chat ohne Vertrag und Geheimhaltungsverpflichtung. Arbeiten Sie im Zweifel mit Platzhaltern.

  2. 02

    02

    Medizinische Fragen an die KI

    Ein Verwaltungswerkzeug beantwortet keine medizinischen Fragen von Patienten. Legen Sie fest, dass solche Anliegen immer an das Praxisteam gehen.

  3. 03

    03

    Kein Weg für Dringendes

    Ein Telefonassistent braucht eine klare Weiterleitung für dringende Anliegen und einen Hinweis auf den Notruf.

  4. 04

    04

    Ungeprüfte Entwürfe

    Jeder Text, der die Praxis verlässt oder in die Akte geht, wird vorher von einem Menschen gelesen.

  5. 05

    05

    Kein Hinweis auf die KI

    Wer mit einem KI-System spricht oder chattet, muss das seit dem 2. August 2026 erfahren, sofern es nicht offensichtlich ist.

KI-Verordnung

Was verlangt die KI-Verordnung von Praxisinhabern?

Neben Artikel 50 betrifft Praxen vor allem Artikel 4 der KI-Verordnung. Er gilt seit dem 2. Februar 2025, seit dem 27. Juli 2026 in der Fassung des Digital Omnibus, der Verordnung (EU) 2026/1744. Wer KI-Systeme einsetzt, muss danach Maßnahmen ergreifen, die den Aufbau von KI-Kompetenz des Personals unterstützen. Das gilt unabhängig von Größe und Fachrichtung, also auch für die Einzelpraxis mit drei Mitarbeiterinnen am Empfang.

Ein bestimmtes Kompetenzniveau je Person verlangt die Verordnung nicht mehr, eine bestimmte Schulungsform oder ein Zertifikat schreibt sie nicht vor. Sinnvoll ist eine kurze Einweisung am konkreten Werkzeug: was es kann, wo es sich irrt, welche Daten tabu sind und wer welche Entscheidung trifft. Halten Sie fest, was Sie dazu getan haben. Einzelheiten erklären wir im Beitrag zur KI-Schulungspflicht nach Artikel 4.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Darf eine Arztpraxis ChatGPT nutzen?

Für Texte ohne Patientenbezug, etwa Aushänge, Website-Texte oder Stellenanzeigen, ja, am besten mit einem Geschäftskonto. Patientendaten gehören nicht in ein privates Konto. Für die Verarbeitung von Patientendaten brauchen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag, eine Verpflichtung des Anbieters zur Geheimhaltung und eine Abstimmung mit Ihrem Datenschutzbeauftragten.

Was kann ein KI-Telefonassistent in der Praxis übernehmen?

Er nimmt Anrufe an und erledigt Standardfälle wie das Buchen, Verschieben oder Absagen von Terminen. Anliegen wie Rezept- oder Überweisungswünsche nimmt er für das Team auf. Dringende oder medizinische Anliegen müssen an einen Menschen oder an den Notruf verwiesen werden.

Muss ich Patienten sagen, dass sie mit einer KI telefonieren?

Ja. Seit dem 2. August 2026 verlangt Artikel 50 der KI-Verordnung, dass Menschen informiert werden, wenn sie direkt mit einem KI-System interagieren, sofern das nicht offensichtlich ist. Am einfachsten sagt der Assistent das zu Beginn des Gesprächs.

Verletzt KI in der Praxis die Schweigepflicht?

Nicht automatisch. Nach § 203 StGB dürfen Praxen externe Dienstleister einbinden, soweit das erforderlich ist, müssen sie aber zur Geheimhaltung verpflichten. Entscheidend sind also Vertrag, Verpflichtung, Speicherort und dass nur die nötigen Daten weitergegeben werden.

Darf KI Arztbriefe oder Befunde schreiben?

KI kann Diktate verschriftlichen und Texte gliedern. Der medizinische Inhalt kommt von der Ärztin oder dem Arzt, und jeder Text wird vor der Ablage oder dem Versand geprüft und verantwortet. Das Werkzeug muss für Patientendaten vertraglich und technisch geeignet sein.

Muss das Praxisteam für KI geschult werden?

Artikel 4 der KI-Verordnung gilt seit dem 2. Februar 2025 und seit dem 27. Juli 2026 in geänderter Fassung: Wer KI-Systeme einsetzt, muss Maßnahmen ergreifen, die den Aufbau von KI-Kompetenz des Personals unterstützen. Eine bestimmte Form oder ein bestimmtes Niveau ist nicht vorgeschrieben. Eine Einweisung am eingesetzten Werkzeug mit klaren Regeln zu Daten und Zuständigkeiten ist ein guter Anfang.

Was jetzt

So starten Sie mit KI in Ihrer Praxis

  1. 01

    Engpass benennen

    Klären Sie, wo die meiste Zeit verloren geht: am Telefon, bei der Terminvergabe oder bei der Schreibarbeit nach der Sprechstunde.

  2. 02

    Ohne Patientendaten beginnen

    Starten Sie mit Aufgaben ohne Patientenbezug, etwa Aushängen, Website-Texten und Vorlagen.

  3. 03

    Datenschutz klären

    Prüfen Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten Vertrag, Geheimhaltungsverpflichtung und Speicherort, bevor Patientendaten ins Spiel kommen.

  4. 04

    Team einweisen

    Legen Sie Regeln fest und weisen Sie das Team am konkreten Werkzeug ein. Dabei unterstützen wir mit einer KI-Schulung oder einem auf Ihre Abläufe zugeschnittenen KI-Agentensystem.

KI kann einer Praxis viel Organisationsarbeit abnehmen, vom Telefon bis zum Aushang. Sie bleibt ein Werkzeug der Verwaltung: Medizinische Entscheidungen, der Schutz der Patientendaten und die Freigabe jedes Textes liegen weiter beim Praxisteam.

oder anrufen: +49 151 1576 5566

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